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 Als Rudolf Geschwind starb, übernahm sie sein züchterisches Erbe. "Die wertvolle Rosensammlung des verstorbenen Forstmeisters Geschwind in Karpona in Ungarn ist von Frau M. H. Gräfin Chotek in Korompa aufgekauft. Frau Gräfin sandte zwei Leute nach Karpona, die die Rosen verpackten und mitbrachten, und ist jetzt daran, sie in eine eigene Abteilung ihres ausgedehnten, schönen Rosars zu verpflanzen. Es sind ihrer bei 2 000, fast lauter eigene Züchtungen Geschwinds, die teilweise, weil es derer zu viele waren, teilweise, weil sie ganz neu sind, sich noch nicht im Handel befinden" (RZ 1910, S. 125).

Es ist Gräfin Chotek zu verdanken, daß das Sangerhausener Rosarium heute noch 29 Geschwind-Sorten besitzt.

 
 Ihr Rosarium in Dolna Krupa war der Stolz der deutschen Rosenfreunde, und so berichtete Hermarin Kiese 1914 auf dem Rosenkongreß in Zweibrücken begeistert von seinem Besuch bei der Gräfin (RZ 1914/80).
Die bekannte österreichisch-ungarische Rosenfreundin habe sich dort in ihrem, mehrere hundert Morgen großen Naturparke ein wahres Wildrosenheim geschaffen, und besonders groß seien die Sammlungen in 'Rosa gallica' mit deren vielen Unterarten. Großartig zur Geltung kämen zur Blütezeit im Mai auch die 'Lord Penzance'schen Rubiginosa-Hybriden und neben den schönen alten Rankrosensorten kultiviere sie in einer vollständigen Sammlung, die schönen Geschwindschen Wildrosenkreuzungen. Besonders die Geschwindschen Nachlaßzüchtungen, die sie erworben habe von des Züchters Erben, hüte sie wie ihren Augapfel. (Kiese hatte ihr 1910 ebenfalls eine Rose gewidmet. Die Rosenzeitung schreibt 1911, 30 dazu: "Sie stammt von 'Tausendschön' X 'Mignonette', eine stachellose Multiflora-Hybride. Die Knospe ist pfirsich, geöffnet apfelblütenfarben. Gräfin Chotek hat in Liegnitz diese Züchtung für ihren Namen unter vielen selbst ausgewählt, während der Festtafel fand die Narnensgebung statt")
 
 Der Zweibrücker Rosenkongreß war das letzte glanzvolle Rosenfest des VDR. Nur wenige Tage später, am 28. Juni 1914, fielen die Schüsse von Serajewo. Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie, geb. Gräfin Chotek, starben bei dem Attentat. Kurz danach brach der Weltkrieg aus. Viele Rosenfreunde mußten ihre Rosengärten verlassen, manche für immer. Unsere Rosenzeitung ist ein Spiegelbild jener Jahre. 1915 gab Klese einer cremeweißen Polyantha den Namen 'Siegesperle', und nachdem eine Welt zerbrochen war, taufte er 1920 eine seiner letzten Züchtungen 'Deutsche Hoffnung'.  
 Aus dem einst prachtvollen Chotekschen Rosar war eine Wildnis geworden, als die Gräfin vom Lazaretidienst heimkehrte. Unter-Korompa hieß nun Dolna Krupa, denn die Donaumonarchie existierte nicht mehr, und fortan gehörte das Dörfchen zur Slowakei.  
   
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