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 Nur eine Rose blieb uns als Erinnerung. Sie blüht mit 7 000 anderen Rosensorten auch heute noch im Sangerhausener Rosarium. Ihr Name 'Marie Henriette Gräfin Chotek' ist untrennbar verknüpft mit der Geschichte des Vereins Deutscher Rosenfreunde. Peter Lambert stellte sie in der Rosenzeitung 1910, S. 124, so vor:

M. H. Gräfin Chotek,
Multiflora-Hybride, Parkrose, Solitär, Spalier- und Heckenrose von ganz besonderer Wirkung. Winterhart bis in die äußersien Spitzen. Strauch aufrecht, buschig, Triebe bis 2 1/2 m in der Saison; Holz mit feinen Stacheln bewehrt, Laub groß, glänzend dunkelgrün, haltbar, gesund, nicht unter Mehltau und Rost leidend. Blume ziemlich groß, rund, kelchförmig, gut gefüllt, lange haltbar, in großen, breiten, mächtigen Sträußen aufrecht am alten Holze blühend, von Juni bis August. Farbe weithin leuchtend karmesinrot, duftend. Ein einzelner Strauss füllt eine Vase (The Farquar X Richmond). Österreich-Ungarns bedeutendster Rosenfreundin gewidmet.

 
 Marie Henriette Gräfin Chotek lebte in Unter-Korompa, einem Dörfchen an den Südhängen der Kleinen Karpaten in Ober-Ungarn. Sie begann Ende des 19. Jahrhunderts, ein Privatrosarium aufzubauen, das sich zehn Jahre später mit dem von Gravereaux in L'Hay messen konnte. Es war umgeben von dem alten Park der ungarischen Grafen Chotek, der 1891 als einer der schönsten Ober-Ungarns beschrieben wurde. Der belgische Gartenkünstler H. Nebbien hatte ihn von 1812-1825 im landschaftlichen Stil umggestaltet. Schon früher war der Park eine Sehenswürdigkeit. Ludvig van Beethoven weilte in den Jahren 1796-1806 oft dort (nach P. Svoboda).  
 Gräfin Chotek war Mitglied des VDR, und so kam sie oft zu den Rosenkongressen nach Deutschland, so auch 1910 nach Liegnitz. (Aus der Rede von Graf Pückler-Burghaus "Rosenketten verbinden Deutschland mit Frankreich und Österreich-Ungarn". Der Chronist vermerkt, dass sich der Redner damit an die an der Haupttafel sitzende Gräfin Chotek, eine Kusine der österreichischen Erzherzogin Sophie, wandte (RZ 1910, S. 88).  
 Welch eine begeisterte und interessierte Rosenfreundin die Gräfin war, beschreibt Peter Lambert in einer Fußnote zur Liegnitzer Rosenausstellung: Von allen ausgestellten Rankrosen wirkte
Böttners 'Fragezeichen' am meisten. Ihre Durchlaucht Gräfin Chotek war von der Sorte so begeistert, daß sie von Liegnitz eigens nach Frankfurt fuhr, um diese Sorte an Ort und Stelle in ganzer Pracht bewundern zu können (RZ 1910, S. 129).
 
 Männer wie Peter Lambert, W. Kordes, Hermann Kiese, Johannes Böttner und Rudolf Geschwind waren stolz darauf, sich ihre Freunde nennen zu dürfen. Sie schätzten nicht nur ihr Können, sondern auch ihre selbstlose Hilfsbereitschaft.  
   
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