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 LETZTE ERWÄHNUNG DER ROSENGRÄFIN 1934  
 Der VDR wurde 1934 zur Säule III in der Deutschen Gesellschaft für Gartenkultur umfunktioniert, er erhielt neue Statuten, und die Geschäftsstelle wurde nach Berlin verlegt. Die letzte Nummer der Rosenzeitungg erschien Ende 1933. Es war der 48. jahrgang. Fortan wurden Jahrbücher herausgegeben.  
 Im Rosenjahrbuch 1938 wird noch einmal das Rosarium in Dolna Krupa erwähnt. Auf Seite 1 erscheint ein Artikel von Dr. Rudolf Limbacher "Das Rosar der Stadt Bratislava (Preßburg)".
Der Frauenarzt aus Preßburg schreibt: "Der Gedanke eines Rosars im Stadtpark von B. wurde von mir angeregt, nachdem ich die Wunderwelt der Farben und Formschönheit der vielen tausend Rosen im Rosar der Gräfin M. H. Chotek in Dolna Krupa, Tschechoslowakei, kennenlernte." Der Besuch dieses VDR Mitgliedes bei der Gräfin muß vor 1934 gewesen sein, denn in diesem Jahr begann man mit den Arbeiten für das beschriebene Rosarium, das 1937 eröffnet wurde.
 
 Nach der Beschreibung waren in Bratislava 146 Rosensorten angepflanzt. Die Kletterrose 'Gräfin Marie Henriette Chotek' und die 'Weiße Tausendschön' sind namentlich aufgeführt, ansonsten ist keine Rose aus dem Dolna Krupaer Rosar beschrieben.  
 Es ist die letzte Veröffentlichung des VDR, in der die Gräfin erwähnt wird. In der Mitgliederliste des unveröfferitlichten Jahrbuches 1941 ist sie nicht mehr zu finden.  
   
 DOLNA KRUPA UND DAS ENDE 1946  
 Bis vor ein paar Wochen wußten wir nichts über das weitere Schicksal des einst so berühmten Rosars und seiner Besitzerin. Da half uns ein freundlicher Brief von Professor Dr. P. Svoboda (CSSR) und sein Buch "Ruze v Arboréte Borová' Hora 1970" (Zvolen 1971) weiter.
Wir verdanken ihm, und hilfreichen Freunden, die übersetzten, nachfolgende Angaben:
 
 Gräfin Marie Henriette Chotek war eine Idealistin mit hervorragenden Fachkenntnissen, die die Rosen über alles liebte, aber sie war niemals eine clevere Geschäftsfrau gewesen. Es fehlte ihr jeglicher merkantiler Sinn, und so geriet die 70jährige mit ihrer Rosenschule in finanzielle Schwierigkeiten. Marie Henriette Gräfin Chotek hat zeit ihres Lebens allen Menschen geholfen, doch ihr selbst blieb jede Hilfe versagt, als ihre körperlichen und geistigen Kräfte abnahmen. Da konnte sie das Rosarium in Dolna Krupa nicht mehr erhalten, und es verfiel zusehends und mit ihm seine Herrin.  
 1934 berichtete Prof. Karl Domin bei der Eröffnung des Roscngartens in Petrin: "Das Rosarium in Dolná Krupá ist nicht mehr, was es einmal war. Der Park geht zugrunde. Weite Flächen in ihm sind mit Kartoffeln und Mais bestellt, schließlich muß man leben. Die alte Gräfin lebt einsam und arm in dem großen Schloß, und doch spüren die wenigen Besucher, wie sehr sie noch immer die Rosen liebt.
Wir wollen wenigstens versuchen, die seltenen Sorten, deren es dort gar viele gibt, zu retten."
 
 An die Rettung des ehemaligen Rosariums dachte kein Mensch. So begann die Zeit ihr Zerstörungwerk, denn es war niemand mehr da, um die Rosen zu pflegen. Wag übrig blieb, vernichtete der 2. Weltkrieg.
Das Schloß in Dolná Krupá wurde ausgeraubt, der Park verwüstet, und selbst vom "Schweizerhaus", in dem die Gräfin lebte, blieb nichts. Man erzählt sich, daß seine Steine zum Wiederaufbau des Dorfes verwendet wurden. Vom Rosarium blieb keine Spur zurück, denn das Gelände ist heute bebaut. Nach Kriegsende wechselte das einstige Stammschloß der Grafen Chotek mehrmals den Besitzer, und heute beherbergt es eine Irrenanstalt.
 
 Marie Henriette Gräfin Chotek erlitt das gleiche tragische Schicksal wie ihr Rosarium. Bettelarm und auf die Gnade ihrer einstigen Bediensteten angewiesen, gebrochen an Körper und Geist, wurde sie 83 Jahre alt. In der Obhut barmherziger Schwestern erlosch am 13. Februar 1946 ein Leben voller Rosen und Dornen.  
 Es scheint, als habe man hier in Dolná Krupá die ruhmreiche Vergangenheit vergessen.
Das einzige, was uns von Marie Henriette Chotek blieb, ist ihr Grab in der Dorfkirche von Dolná Krupá bei Trnava (nach P. Svoboda).
 
 Die "Rosengräfin" ist eine einmalige und überragende Erscheinung in der über 90jährigen Geschichte des VDR. Als sie starb, herrschten chaotische Zustände in ganz Europa. Der Verein Deutscher Rosenfreunde existierte nicht mehr, das Vereinsrosarium in Sangerhausen war enteignet. Erst 1949 erlebte der VDR seine Wiedergeburt, und das Jahrbuch 1 erschien. Niemand wußte um das Schicksal der Gräfin. So mögen diese Blätter ein Gedenken zu ihrem 30. Todestag sein. Ein Strauß Rosen für die unvergeßliche Rosenfreundin Marie Henriette Gräfin Chotek!  
   
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